Wiederaufbau und Renovierung ...

In ihrer renovierten Form aus den letzten Jahren des 19. Jhd. hatte die Konkordienkirche Bestand bis zu der für ganz Mannheim verheerenden Bombennacht des 6. auf 7. September 1943. Während der Turm weitgehend unbeschädigt blieb, wurde die Kirche bis auf die Umfassungsmauern zerstört. In der Nacht vom 5. auf den 6. September 1943 brannte das im Jahre 1800 eingeweihte Gotteshaus der Konkordiengemeinde nach einem Luftangriff völlig aus (Das obige Bild zeigt das Innere der Kirche vom Turm aus). Außer dem Turm standen nur noch die stark beschädigten Überreste der Umfassungsmauern. In den ersten Jahren danach beschränkte sich das gesamte gottesdienstliche Leben der Gemeinde auf die beiden erhaltenen Räume im Kirchturm.

Der damalige Pfarrer und spätere Dekan Horst Weigt schrieb dazu: „In dem unteren Saal im Turm, dessen Fenster noch luftschutzgerecht zugemauert und mit Eisentüren verschließbar waren, begann der Neuanfang zunächst mit dem Aufbau der Gemeinde. Der Raum war von einer einzigen nackten Birne beleuchtet. Als die Zeit des Heizens kam, stand in der Nische, die früher den Durchgang zur Kirche darstellte, ein eiserner Ofen, der oft nach außen heizte und nach innen qualmte. Die Stühle mussten so eng gestellt werden, dass auch noch der enge Durchgang zugestellt war, wenn der Pfarrer in den Raum gekommen war. Es gab nichts, was den Raum einladend gemacht hätte - außer der Möglichkeit, hier Gemeinschaft zu finden und vielleicht aus der Heiligen Schrift ein Wort aus Gottes Mund geschenkt zu bekommen, das ein wenig aus der Einsamkeit, den Selbstanklagen oder der Isolierung heraushelfen konnte.

Pfarrer Lutz hat es in seiner Funktion als örtlicher Leiter des Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen erreichen können, dass der Konkordiengemeinde eine vom Oekumenischen Rat der Kirchen in Genf geschenkte Barackenkirche übergeben wurde. Diese Barackenkirche konnte - auch ein Zeichen der Zeit - erst nach Mannheim gebracht werden, als für den Transport ein amerikanisches Begleitkommando zur Verfügung stand; sonst musste befürchtet werden, dass bei der Bahnfahrt durch die französische Besatzungszone die Barackenteile als Brennholz missdeutet werden konnten. Am Pfingstsonntag 1946 konnte diese Holzkirche eingeweiht werden. Mit ihr begann für die Konkordiengemeinde eine neue Phase im Prozess des Wiederaufbaus.

Die Holzkirche konnte so in das leere Kirchenschiff gestellt werden, dass man diese durch den Haupteingang der ausgebrannten Kirche betrat. Sie verfügte über 300 Sitzplätze, die allerdings aus Bänken ohne Lehnen bestanden. Geheizt wurde mit Kohleöfen, in deren Nähe zu sitzen fast unmöglich war. Im Sommer wurde die Baracke in dem Kessel aus Kirchenmauem so unbarmherzig der Hitze ausgeliefert, dass sich die Kerzen auf dem Altar mehr als einmal nach unten bogen. Einmal wurde sogar der Bräutigam bei einer Trauung ohnmächtig. Durch Spenden aus der Gemeinde konnten bald die Bänke durch Stühle ersetzt und der Kirchenraum durch einen sehr fein gearbeiteten Taufstein geschmückt werden.

Am 19. Juli 1946 wurden drei der vier abgelieferten Glocken in feierlichem Zuge vom Hafen her durch die Breite Straße eingeholt. Die schwerste und schönste Glocke ist aber aus dem Krieg nicht wiedergekommen. Die ältesten, die sich im Laufe der Zeit zunächst formlos wieder zusammengefunden hatten, beschlossen ein Dankeswort an den Weltrat der Kirchen, das auf einer Holztafel in der Kirche angebracht wurde und so die Oekumene der Gemeinde greifbar nahebrachte. Diese Kirche wurde zu einem echten Sammelpunkt der Gemeinde. Die Menschen, die sie sonntäglich füllten, kamen einander näher. Auch die Gemeindeglieder der Innenstadt, die bei ihrer Gemeinde bleiben wollten, obwohl sie in andere Stadtteile fortgezogen waren, kamen wieder zurück in die Gottesdienste ihrer Kirche. Hier entstand eine Gemeinschaft, die dazu führte, dass sich Menschen, obwohl sie sich nicht kannten, auf der Straße grüßten, weil sie sich am Sonntag in der Holzkirche getroffen hatten.“

Am 30. November, am 1. Advent 1952 wurde die wiederaufgebaute Konkordienkirche eingeweiht. Da das Gebäude unter Denkmalschutz stand, musste beim Wiederaufbau den Stilelementen, die den Bau von 1800 bestimmt hatten, Rechnung getragen werden. Das Innere ist von dem damaligen Baumeister Dr. Ing. Max Schmechel eher karg gehalten worden (Bild links). Dazu mag neben den in der damaligen Zeit fehlenden Mitteln auch die reformierte Tradition beigetragen haben. Für den Sarg der Raugräfin Louise von Degenfeld wurde die vom rechten Seitengang zugängliche kleine ,,Gruft" geschaffen. So fand nach dem Willen des Kurfürsten seine geliebte ihm zur linken Hand angetraute Gattin in der Konkordienkirche ihre letzte Ruhestatt.