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HIMMELANGST: Ausstellung zum Reformationsjubiläum

Vor 500 Jahren hat Martin Luther seine 95 Thesen veröffentlicht. Der Thesenanschlag in Wittenberg gilt als Beginn der Reformation, dem fundamentalen Wandel des damaligen Kirchenlebens. Luther traf damals nicht nur auf großen Widerstand beim mächtigen Klerus, er musste selbst um Leib und Leben bangen.Mit seinen revolutionären Ideen half er aber auch ganz einfachen Menschen, die voller Angst und Furcht vor einem strafenden Gott ihr Leben führten. Wer arm war, gab oft das letzte, was einer hatte, um sein Seelenheil durch den weit verbreiteten Ablasshandel vor der ewigen Verdammnis zu retten. Luther dagegen zeichnete ein Bild von einem Gott, der sich in Christus den Menschen zuwendet und verzeiht. „Gottesfurcht“ ist heute gottseidank zumeist durch Glauben und Vertrauen ersetzt. Aber nicht immer gelingt diese positive Neubestimmung. Und zugleich ist unsere Gesellschaft bis ins Letzte von Ängsten durchsetzt und in ihren Motivationen getrieben. Angst wird gezielt eingesetzt, macht Politik und hilft bei Wahlen.

Angst kann Leben retten – aber Menschen besitzen auch die fatale Fähigkeit sich irrationale Ängste auszumalen. Angst kann pathologische Dimensionen erlangen und das Leben untergraben, sie kann anstecken und lähmen und wird dann selbst zur Gefahr. „Es ist besser, die Angst auszusprechen, als sich weiter mit ihr zu tragen“, heißt es bei Elias Canetti. „Am besten ist es, sie aufzuschreiben, ohne sie auszusprechen.“ Im Rahmen des Lutherjahres wagen wir nun das vielschichtige Thema in einer Ausstellung unter dem Titel „himmelangst“ in den Mittelpunkt zu stellen. Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre, teilweise sehr privaten Auseinandersetzungen mit dem Thema, in ganz unterschiedlichen Positionen und medialen Ausdrucksformen.

In der Ausstellung zu sehen sind Werke von: Johanna Baumgärtel (Performance), Ina Dewald (Objektkunst), Klaudia Dietewich (Fotografie + Installation), Egon Schrick (Zeichnungen), Fritz Stier (Medienkunst) sowie Silvia Szabó (Performance + Video). Begleitet wird die Ausstellung von mehreren ART-Gottesdiensten (jeweils 11:00 Uhr).

ART-Gottesdienste
16. Juli: Trust me! Vertrauen vor Gottesfurcht, mit Ilka Sobottke
23. Juli: Free me! Du gabst mir Dein Wort, mit Anne Ressel
30. Juli: Feed me! Wovon wir es satt haben, mit Anne Ressel und Nazan Kapan (Stadträtin)   
06. August: Show me! Spuren von Zeigen und Erscheinen, mit Peter Annweiler
13. August: Catch me! mit Friedel Goetz
20. August: Heal me! mit Ilka Sobottke und Dr. Inge Dieffenbacher (Psychotherapeutin)
27. August: Be afraid! mit Ilka Sobottke und Bahar Yeniocak (Islamwissenschaftlerin)

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